Propagandafilm: ADFC Münster distanziert sich in Pressemitteilung

Nach der Veröffentlichung eines umstrittenen Hetzvideos gegen Fahrradfahrer durch die Ordnungspartnerschaft Unfallprävention hat sich der Vorsitzende des ADFC Münsterland, Peter Wolter, von dem Film distanziert und eine Pressemitteilung herausgegeben. Die Mitteilung gebe ich hier im Volltext wieder:

Sehr geehrte Damen und Herren,
die folgende Pressemitteilung des ADFC ging am 24.11.2015 an die Medien:
ADFC PM – zum Kinospot „Liebe macht blind – toter Winkel auch“
Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen-Fahrrad Club Münster / Münsterland
e.V. (ADFC) möchte sich ausdrücklich von dem Kinospot „Liebe macht blind –
toter Winkel auch“, distanzieren.
Der ADFC hat in einer Sitzung der Ordnungspartnerschaft
Verkehrsunfallprävention (OPVU) der Stadt Münster von der Absicht erfahren
einen Kinospot zum Thema Abbiegeunfälle zu erstellen, aber nichts über den
Inhalt, noch wurde er dem ADFC zur Abstimmung vorgestellt.
Dieser Kinospot stellt die Fahrradfahrer pauschal als dümmlich dar, ist einseitig,
sexistisch und rücksichtslos gegenüber den Opfern. Er stellt das Opfer-/ Täter-
Verhalten auf den Kopf! Das schuldhafte Verhalten von abbiegenden KFZFahrern
wird vollkommen ausgeblendet.
Der ADFC distanziert sich daher von diesem Kinospot, fordert stattdessen den
Blick zu fokussieren auf die Gefährder und hat konsequenterweise die OPUV
aufgefordert, diesen irreführenden Kinospot zu entfernen. Sowohl online, als auch
in den Kinos.
Peter Wolter
1. Vorsitzender des ADFC Münster / Münsterland e.V.www.adfc-ms.de /
peter.wolter@adfc-ms.de / 0175 – 296 62 53

 

Begründung:
Da der Kinospot bereits öffentlich ist, haben wir auch öffentlich Stellung bezogen,
weil wir unseren guten Namen nicht für solch eine einseitige Diskriminierung der
Fahrradfahrer hergeben möchten. Wenn das Wort Partnerschaft in der OPUV
wirklich angebracht ist, dann hätten wir auch eine partnerschaftliche Beteiligung
erwarten dürfen. Gleichzeitig fordern wir künftig, dass Kinospots, Plakate, Flyer
und dgl. im Namen der OPVU, also auch in unserem Namen, nur nach
Vorstellung und Abstimmung in der OPVU veröffentlicht werden.
Hat eigentlich jemand der Verantwortlichen des Kinospots an die Angehörigen der
letzten Unfalltoten und Unfallverletzten gedacht? Sollen diese jetzt im Kino
erfahren, dass ihr 12 jähriges Kind, ihre 27-jährige Tochter oder ihr
Vater/Großvater zu blöd waren sich richtig im Verkehr zu verhalten, weil sie sich
ein „sinnloses Kräftemessen mit dem LKW“ geliefert haben? Und die 27-jährige
Studentin ist jetzt tot, weil sie statt auf den Verkehr zu achten einem jungen Mann
hinterher starrte?
Fazit: Wir haben nichts gegen Aufklärung, aber Kinospots die nur mit Angst
arbeiten und mit dem erhobenen Zeigefinger daher kommen, erzeugen bei der
Zielgruppe eher für Abwehr und Unverständnis. Stattdessen sollte positive
Werbung für ein partnerschaftliches und rücksichtsvolles Verhalten im
Straßenverkehr gemäß § 1 der StVO gemacht werden.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Wolter

 

 

7 Kommentare zu “Propagandafilm: ADFC Münster distanziert sich in Pressemitteilung

  1. Pingback: Liebe macht blind » Rad-Spannerei

  2. Kim Berger

    Ich finde Eure Aufmachung gaaaanz übel!!

    Das Wort „Hetz—“ tut hier weder Not noch gut!! Es kommt aus dem braunen Sumpf.

    Auch ich habe mich über diese diffamierende „Aufklärung“ auf facebook ärgerlich ausgelassen – aber wir sollten uns im Sprachgebrauch dringend von den Pegidas absetzen.
    Hier geht es um Kommunikation und nicht um Aufwiegelung!
    Gruß
    Kim

    1. berlinradler

      Naja, das hier ist ein Blog. Übermäßige Political Correctness würde einen Blog hochgradig langweilig machen.

      Die Assoziation zu Nazisprache ist mir hier beim Lesen nicht gekommen.

  3. Bernd

    Aufwiegeln ist von Nöten. Es ist an der Zeit die Dividende einzufahren. Rad fahrende sorgen für die Funktionsfähigkeit Münsters und erstrampeln quasi Geld. Trotzdem werden sie mit Hohn, Repression und Brosamen bei der Infrastruktur beleidigt. Münster lässt seine Radinfrastruktur jedoch großflächig verrotten und baut fleißig Umgehungen und allerlei Annehmlichkeiten für den MIV.

    Das funktioniert ganz gut, wie die Selbstzufriedenheit bei der ADFC-Befragung eindrucksvoll gezeigt hat.

    Münster lässt in ganzen Stadtvierteln hunderte PKW auf Gehwegen parken ohne einzugreifen, bewirtschaftete Parkplätze werden dagegen abgezettelt. Wie passt das zusammen?
    Busse sind hochgradig unzuverlässig, da sie häufig im PKW-Verkehr stecken bleiben. Die Busse sind schon nach Plan so langsam, dass in der Innenstadt Gehen z.B. von 2,5 km schneller ist, wenn nicht gerade zufällig einer an Ort und Stelle fährt. Dabei ist das Monatsticket auf einem Preisniveau, bei dem in anderen Städten U-Bahnen, S-Bahnen und Trams betrieben werden.

  4. Julius

    Nach dem ersten tödlichen Unfall hätte man für relativ kleines Geld einen eigenen Signalgeber für den rechtsabbiegenden MIV anbringen können. Schon müsste keiner mehr in Spiegeln nix sehen oder lieber bei grün anhalten. Es fielen weder Parkplätze weg, noch würden Rentner auf die Fahrbahn gezwungen, die das nicht wollen. Die Rechtsabbieger hätten einfach rot oder wirklich freie Fahrt.
    Klappt in der Vorzeigestadt Kopenhagen doch auch!

    Stattdessen labert man Radfahrende zu mit irgendwelchen selbst ausgedachten Müll und hat die nächsten Toten.

    1. Rasmus Richter Autor des Beitrags

      Das bedeutet aber eine Rotphase für den MIV. Das wollte die Stadt nicht. Autofahrer sind halt reiche Premiumkunden und generell wertvollere Menschen, denen darf man Wartezeiten nicht zumuten.

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